3000 tunesische Rettungssanitäter wollen nach Deutschland

Nachrichten zur Migration in Tunesien und seinen Nachbarländern, sowie über Schiffsfahrten von Migranten über das Mittelmeer.
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Walter
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3000 tunesische Rettungssanitäter wollen nach Deutschland

Ungelesener Beitrag von Walter » Sonntag 4. November 2018, 12:43

Medien berichten das mindestens 3.000 tunesische Rettungssanitäter sich in Deutschland um einen
Arbeitsplatz bemühen und ein Einwanderungsverfahren in Deutschland anstreben.
3.000 fehlende Sanitäter in Tunesien würden insgesamt die ohnehin prekäre Situation dieses Sektors weiter
verschärfen. Es versteht sich von selbst, dass dies negative Auswirkungen auf die Gesundheitsdienstleistungen
für tunesische Bürger haben würde.

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Rolf
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Re: 3000 tunesische Rettungssanitäter wollen nach Deutschland

Ungelesener Beitrag von Rolf » Montag 5. November 2018, 04:27

Nach den Worten des Präsidenten der Gesundheitsvereinigung Tunesiens "wollen" die das nicht nur, sondern sie ergreifen bereits ernsthafte Maßnahmen, daß sie es auch bald wirklich können - sie haben nämlich bereits begonnen Deutschkurse zu belegen, um damit ihr Migrationsvorhaben zu begünstigen.

Hintergrund ist zum einen, daß Deutschland Arbeitskräfte auf dem Ausland sucht, und zwar für Bereiche, in den in Deutschland ein Facharbeitermangel herrscht (Facharbeiter = jemand, der eine Ausbildung abgeschlossen hat). Was da so alles gesucht wird, kann man auf der extra dafür eingerichteten Internet-Site der deutschen Arbeitsagentur nachschlagen: https://www.make-it-in-germany.com

Gesucht werden da beispielsweise, derzeit insgesamt etwa 200.000 Arbeitskräfte, nicht nur Altenpfleger, sondern auch Berufe, von denen man es gar nicht erwartet hätte, wie Elektriker, Oberleitungsmonteure
Die Daten für diese Arbeitsgesuche stammen von der Arbeitsagentur - und werden dort wohl nicht allzu ernsthaft geprüft bzw. gepflegt. Denn der staunende Leser findet da auch die Annonce "Zauberer für die Pflege gesucht", bei der ich es mir nicht vorstellen mag, was da ein ausländischer potentieller Arbeitnehmer wohl spontan an Vermutungen über den Stand des Gesundheitssystems in Deutschland anstellt...
Daß die ersten paar Hundert Arbeitsangebote von (Personal)"Dienstleistern" und "Premiumdienstleistern" dominiert werden, das wundert in Deutschland wohl kaum jemanden und man kann es auch einordnen - ob das ausländische Arbeitskräfte aber auch verstehen, das steht auf einem anderen Blatt.

Zweiter Hintergrund der Meldung ist das geplante neue Einwanderungsgesetz für Deutschland, von dem bislang nur Eckpunkte bekannt sind, das aber zügig ins Gesetzgebungsverfahren gebracht werden soll. Danach soll zukünftig auch derjenige für einige Monate in Deutschland einreisen können, der keine Arbeitsstelle vorweisen kann, sondern Arbeit sucht, vorausgesetzt, er verfügt über Deutschkenntnisse und eine entsprechende Qualifikation.


Wie dem auch sei, Walter schreibt ja bereits, wohin das Ganze im Extremfall führen kann, daß nämlich in so einigen Drittweltländern die qualifiziertesten Personen sich angesprochen fühlen, das Land zu verlassen (auch in anderen Ländern sind derartige Bestrebungen zu bemerken, wie es selbst erleben konnte, beispielsweise in Nicht-EU-Balkanländern).
Ob ein solcher Aderlaß sich langfristig zum Vorteil für Deutschland ausspielen wird, darüber kann man da wohl geteilter Meinung sein. Der britische Professor Paul Collier, Experte für die Ökonomie von Entwicklungsländern, sagte dazu etwa „Die armen Länder werden nicht aufholen können, wenn ihre klügsten und besten Leute das Land verlassen“.

Walter
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Re: 3000 tunesische Rettungssanitäter wollen nach Deutschland

Ungelesener Beitrag von Walter » Donnerstag 22. November 2018, 17:20

Der tunesische Gesundheitsminister Abderraouf Cherif reagiert auf die Abwanderung tausender MitarbeitInnen des Gesundheitswesens.
In einer Presseerklärung vom 22.11.2018 gab er bekannt, dass in 2017/18 bis jetzt ca 4000 Mitarbeiter abgegangen sind.
Er kündigte an, dass es 2019 zwischen 1500 und 2000 Einstellungen im Gesundheitssektor geben wird, während für 2020 MitarbeitInnen
nach Bedarf eingestellt werden sollen.

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