Anreize statt Zwang – wie Deutschland Tunesier zur freiwilligen Rückkehr bewegen will

Nachrichten zur Migration in Tunesien und seinen Nachbarländern, sowie über Schiffsfahrten von Migranten über das Mittelmeer.
Walter
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Anreize statt Zwang – wie Deutschland Tunesier zur freiwilligen Rückkehr bewegen will

Ungelesener Beitrag von Walter » Mittwoch 11. Juli 2018, 10:10

Medien berichten - Ein Auszug -

Anreize statt Zwang – wie Deutschland Tunesier zur freiwilligen Rückkehr bewegen will

Mit Beratungs- und Sachleistungen in Höhe von bis zu 5000 Euro pro Rückkehrer will die Bundesregierung Tunesier,
die kein Aufenthaltsrecht in Deutschland mehr haben oder deren Asylantrag abgelehnt wurde, zur Heimkehr bewegen.
„Wir müssen sie in Tunesien reintegrieren, damit sie nicht als Loser zurückkommen“, sagte Entwicklungsminister
Gerd Müller bei der Eröffnung des Zentrums im März 2017 in Tunis. Und es gibt ein paar ermutigende Beispiele.
Doch zahlenmäßig sind die Erfolge bisher bescheiden.

Besser läuft die Vermittlung von Arbeit suchenden Tunesiern in deutsche Mangelberufe: 80 Tunesier hätten sich
bereits auf IT-Jobs und Arbeitsstellen im Hotelgewerbe beworben. Nach Deutschland wurden bisher 17 Pflegekräfte und
drei Informatiker vermittelt. Tunesier seien nach Deutschland nicht einfach zu vermitteln. „Denn die Hürden für Visa sind
sehr hoch“, so Tuerer-Strzelczyk. Nur Menschen in absoluten Mangelberufen wie Pfleger und IT-Experten mit guten
Deutsch- oder Englischkenntnissen hätten eine Chance auf ein Arbeitsvisum. In einzelnen Bundesländern wie Baden-Württemberg
könnten auch Mitarbeiter in der Gastronomie und Hotellerie mit guten Deutschkenntnissen Arbeitsvisa bekommen.

Weitere Hilfe für Rückkehrer:
Das Migrationszentrum ist aber nicht das einzige deutsche Projekt, das dem Land mit 16 Prozent Arbeitslosenquote und
mehr als doppelt so hoher Jugendarbeitslosigkeit helfen soll. „Wir bemühen uns intensiv um Beschäftigung für Tunesier
in Tunesien. Darum helfen wir dabei, Tunesier fit für ihren Arbeitsmarkt zu machen. Aber Umschulungen haben bisher in
Tunesien kaum Tradition.“ Das solle das von GIZ und deutsch-tunesischer Auslandshandelskammer (AHK) getragene
CORP-Projekt ändern, sagt Matthias Giegerich, Landesdirektorder GIZ in Tunesien. Tatsächlich hätten so schon Dutzende
Tunesier Umschulungen absolviert und seien in Lohn und Brot gebracht worden. Und deutsche Unternehmen wie der
Kabelbaumproduzent Leoni suchen auch per Broschüren im Migrationszentrum in Tunis Fachkräfte für ihre immer
weiter wachsenden Fabriken im Land.

Die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Tunis erklärt, das viele Studienabsolventen nach ersten
Gesprächen „nicht abgeneigt, sind mit ihren Händen zu arbeiten“. Es gebe etwa 140.000 freie Stellen im Land, das nach 1,9 Prozent Wirtschaftswachstum 2017 in diesem Jahr mit 2,4 Prozent Zuwachs rechnen kann.
Allerdings sind wegen der stark abgewerteten Landeswährung Dinar die Durchschnittslöhne von umgerechnet 290 Euro
im Revolutionsjahr 2011 auf 223 Euro im Jahr 2017 gesunken.

Am 30. April 2018 lebten 3560 Tunesier ohne Aufenthaltstitel in Deutschland, 995 davon werden geduldet und
585 haben eine Aufenthaltsgestattung. 895 genießen Freizügigkeit nach EU-Recht. 1980 haben gar keinen entsprechenden Aufenthaltstitel.


https://www.handelsblatt.com/politik/in ... boHfqh-ap3

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