Aus den Medien
Die Welt der künstlichen Intelligenz begnügt sich nicht mehr mit bloßer Innovation. Sie verteilt Macht neu.
Künstliche Intelligenz ist keine Technologie mehr. Sie ist zu einer Infrastruktur der Souveränität geworden.
Sie prägt wirtschaftliche Gleichgewichte, definiert Energieabhängigkeiten neu, transformiert industrielle
Systeme und verändert die Hierarchie der Nationen.
Jahrelang war die globale Debatte von der chinesisch-amerikanischen Rivalität geprägt. Doch der jüngste
internationale Gipfel in Neu-Delhi markiert einen strategischen Wandel:
Dieser Gipfel war nicht symbolisch, sondern strukturell. Hinter den diplomatischen Erklärungen verfolgt
Indien eine kohärente Strategie: massiver Ausbau der Rechenkapazität, enorme Investitionen in Rechenzentren,
Energiesicherheit für diese Infrastrukturen und die Positionierung als Stimme des Globalen Südens in der KI-Governance.
Indien will nicht nur an der digitalen Revolution teilhaben, sondern auch zu ihrer tragenden Säule werden.
Und genau hier muss Tunesien der Realität ins Auge sehen.
Die Welt tritt in ein Zeitalter ein, in dem Macht nicht mehr allein in Kohlenwasserstoffen, Waffen oder Schwerindustrie gemessen wird. Sie wird vielmehr in Gigawatt für Rechenzentren, GPU-Kapazität, der Beherrschung von Datenflüssen und der Kontrolle digitaler Infrastrukturen gemessen.
In diesem stillen Wandel darf Tunesien nicht länger außen vor bleiben. Unser Land verfügt über einen bedeutenden strategischen Vorteil , der selten voll ausgeschöpft wird: seine unmittelbare Nähe zu Europa. Weniger als zwei Flugstunden von den wichtigsten europäischen Wirtschaftszentren entfernt, könnte Tunesien zu einem natürlichen Drehkreuz für latenzarme Rechenzentren in Südeuropa werden und gleichzeitig als Tor nach Afrika dienen.
In einem Kontext, in dem Europa seine Anforderungen an digitale Souveränität, Datenlokalisierung und regulatorische Sicherheit verstärkt, kann sich Tunesien als komplementäre Plattform positionieren: kostengünstig, energieanpassbar, geografisch ideal.
Dies erfordert jedoch eine klare politische Entscheidung.
Eine engere Anbindung an Indien bedeutet mehr als nur akademische Kooperationsabkommen. Es geht um die Integration einer strategischen Dynamik: die gemeinsame Entwicklung von KI-Schulungskapazitäten, die Gewinnung von Cross-Investitionen in die digitale Infrastruktur und die Positionierung Tunesiens als regionales Drehkreuz zwischen Europa, Afrika und Asien. Denn Indien versteht eines ganz klar: KI ist nicht nur ein Sektor. Sie ist eine Machtarchitektur.
Die eigentliche Frage für Tunesien ist daher nicht, ob es an der KI-Revolution teilnehmen will.
Die eigentliche Frage ist, ob sie bloße Technologiekonsumentin sein will… oder eine Akteurin in der neuen globalen digitalen Geografie.
Die Geschichte wiederholt sich nicht. Sie verschiebt sich.
Und heute geht der Trend hin zu denen, die ihre Infrastruktur aufbauen, bevor sie ihre Reden schreiben.
KI- Tunesien sucht seinen Platz - mit Indien?
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Walter
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